Sonden-Mikrofon-Messungen leicht gemacht

Das neue Buch des führenden Audiologen Dr. H. Gustav „Gus“ Mueller, trägt dazu bei, das Verständnis von Sprach-Mapping bei der Anpassung von Hörgeräten erheblich zu verbessern. Erfahren Sie, was Dr. Mueller zu seinem neuen Buch, Speech Mapping and Probe Microphone Measures (Sprach-Mapping und Sonden-Mikrofon-Messungen), zu berichten hat. 

Ein Gespräch mit Audiologie-Experte Gus Mueller

Gus Muller

Peter Kossek, Senior Product Manager bei Otometrics setzte sich mit dem Audiologen Dr. H. Gustav „Gus“ Mueller zusammen, um mit ihm über sein neues Buch mit dem Titel Speech Mapping and Probe Microphone Measures, das bei Plural Publishing erschienen ist, zu sprechen.

Peter Kossek, Senior Product Manager bei Otometrics setzte sich mit dem Audiologen Dr. H. Gustav „Gus“ Mueller zusammen, um mit ihm über sein neues Buch mit dem Titel Speech Mapping and Probe Microphone Measures, das bei Plural Publishing erschienen ist, zu sprechen.

Otometrics:  Zu Gast bei uns ist heute Dr. Mueller, der Hauptautor des kürzlich bei Plural Publishing veröffentlichten Buchs Speech Mapping and Probe Microphone Measures. Dies ist das erste Buch, das in den letzten 25 Jahren zu diesem Thema verfasst wurde – vielleicht angemessener Weise, da beim 1992 veröffentlichten Text Dr. Mueller ebenfalls federführend war. Dieses Buch ist abwechslungsreich und einfach zu lesen, mit sieben Kapiteln und vielen nützlichen Abbildungen; und es umfasst insgesamt rund 300 Seiten.  

Gus, können Sie uns ein wenig zum Inhalt dieses Buchs sagen und uns erzählen, wie Sie dazu kamen, es zu schreiben?

Dr. Mueller:  Zunächst einmal möchte ich die Mitwirkung meiner Co-Autoren, Todd Ricketts und Ruth Bentler nicht unerwähnt lassen. In den letzten vier Jahren haben Todd, Ruth und ich drei weitere Bücher über Hörgeräte geschrieben, die ebenfalls bei Plural Publishing erschienen sind. In diesen Büchern haben wir versucht, die Auswahl und Anpassung von Hörgeräten von A bis Z abzuhandeln. Diese drei Bücher sind ziemlich detailliert und wurden mehr oder weniger als Studienbücher für unsere Kollegen verfasst. Wenn ich Workshops abhalte, treffe ich häufig auf Menschen, die gerade erst mit den Sonden-Mikrofon-Messungen beginnen. Diese Leute wollen kein dickes Buch über jeden Aspekt des Themas, sondern eher ein Handbuch, das sich auf das Überprüfungsverfahren konzentriert. Also haben wir einige Sonden-Mikrofon-Messungs-Kapitel aus unseren vorhandenen Büchern als Grundlage gewählt und darauf aufbauend dann ein Buch über Sprach-Mapping und Sonden-Mikrofon-Messung erarbeitet.

Otometrics:  Also würden Sie es eher als Handbuch für Akustiker und nicht als Studienbuch bezeichnen?

Dr. Mueller:  Genau. Wir haben es bewusst für Mediziner bzw. Akustiker geschrieben, mit vielen Beispielen und klinischen Fällen. Wir sind uns darüber hinaus bewusst, dass in den USA und an vielen anderen Orten der Welt Hörgeräte zu einem großen Prozentsatz von Personen ausgegeben werden, die keine Audiologen sind. Wir haben versucht, in ausreichendem Maße Hintergrundinformationen hinzuzufügen, damit dieses Buch auch für diese Zielgruppe nützlich ist. Ehrlich gesagt, wäre es ein großartiges Studienbuch für einen Kurs zum Thema Sonden-Mikrofon-Messungen, aber in der Regel gibt es keine Kurse, die allein dieses Thema behandeln.

Otometrics:  Der Titel Ihres Buchs verwendet beide Begriffe „Sprach-Mapping“ und „Sonden-Mikrofon-Messungen“. Definieren Sie die beiden Begriffe unterschiedlich?  

Dr. Mueller:  Interessant, dass Sie fragen, denn wir widmen genau dieser Frage ganze drei Seiten in unserem Buch. Einige Leute nennen es auch „In-situ-Messungen“ oder einfach „REM“ (Real Ear Measures), ich denke also, wir hätten diesen Begriff auch noch in den Titel aufnehmen können. Die kurze Antwort ist, dass diese Verfahren die meiste Zeit über dasselbe bezeichnen. Es gibt zwar einige Aspekte der Sonden-Mikrofon-Überprüfung, bei denen kein Sprachsignal verwendet wird, sodass Sonden-Mikrofon-Messung nicht immer Speech Mapping entspricht. Aber man kann kein Sprach-Mapping ohne eine Sonden-Mikrofon-Messung im Gehörgang durchführen, also ist Sprach-Mapping immer auch Sonden-Mikrofon-Messung. Um die Wahrheit zu sagen, hielten wir es in Zeiten von Google für das Beste, beide Begriffe im Titel zu verwenden, damit die Leute unser Buch leichter finden!

Otometrics:  Das klingt logisch. Sehen Sie den Zeitpunkt der Veröffentlichung dieses Buches als wichtig an?

Dr. Mueller:  Wie ich bereits sagte, stellten wir fest, dass es zu diesem Thema kein einziges Buch gab; das andere Buch zu Sonden-Mikrofon-Messung wird schon seit Jahren nicht mehr aufgelegt. Und es schien, dass unter Medizinern und Akustikern ein großer Informationsbedarf bestand – wir wurden während unserer Workshops in Vanderbilt regelrecht mit Fragen bombardiert. Ich muss sagen, dass das Timing auch hinsichtlich der Diskussionen der vergangen Jahre über PSAPs, OTC-Produkte sowie in Bezug auf das allgemeine Liefersystem für Hörgeräte heute gut gewählt war. Wenn man sich von der Masse abheben möchte, ist es ein guter Ausgangspunkt, den Best-Practice-Protokollen zu folgen, und ich fand kein Best-Practice-Protokoll für die Anpassung von Hörgeräten, das nicht eine Sonden-Mikrofon-Überprüfung verlangte.

Speech mapping
Gus Mueller auf dem Otometrics Stand während der AAA 2017 konferenz

Otometrics:  Wollen Sie damit sagen, dass heutzutage viele Audiologen und Verantwortliche für die Anpassung von Hörgeräten keine Messungen zur Sonden-Mikrofon-Überprüfung durchführen?

Dr. Mueller:  Bedauerlicherweise ist das so. Natürlich gibt es viele, die dies extrem verantwortungsvoll durchführen, aber nach meinen Schätzungen machen diese einen Anteil von maximal 20-25 % aus.

Otometrics:  Warum ist das so?

Dr. Mueller:  Das weiß ich wirklich nicht. Ein Großteil von Kapitel 1 befasst sich mit dieser Frage und legt deutlich dar, warum es höchst unwahrscheinlich ist, dass Geld, Zeit, fehlende Ausrüstung oder Schulungen – also die häufigsten Entschuldigungen – die Ursache dafür darstellen. Es scheint eher eine Frage der Einstellung sein.

Otometrics:  Könnte der Grund schlicht darin bestehen, dass es bessere Möglichkeiten gibt, um die Leistung von Hörgeräten zu verifizieren?

Dr. Mueller:  Ich kann mir nicht vorstellen, welche das sein könnten. Hörbarkeit ist eine wirklich großartige Sache. Auch wenn es keine weiteren Ergebnisse gäbe, würden uns die Sonden-Mikrofon-Messungen zumindest verraten, ob wir erreicht haben, dass das Sprachsignal ausreichend hörbar ist. Aber es geht um mehr. Wenn wir die erste Programmierung von Hörgeräten vornehmen, müssen wir einen Ansatzpunkt haben, und es gibt keinen besseren Ansatzpunkt als eine validierte und bindende Anpassung – wir haben sowohl NAL-NL2 als auch DSLv5.0. Umfassende Forschungen haben ergeben, dass die einzige Möglichkeit, diese Anpassungsalgorithmen im Gehörgang nachzuweisen, ihre Messung ist. Die Betrachtung einer Simulation auf einem Anpassungsbildschirm funktioniert nicht! Darüber hinaus haben umfassende Forschungen ergeben, dass ein größerer Nutzen und eine höhere Zufriedenheit für den Patienten bzw. Kunden erreicht werden, wenn einzelne Personen mit einer validierten Methode behandelt werden statt mit irgendeinem alternativen Ansatz. Warum Abkürzungen nehmen, wenn es um etwas geht, das für das Leben des Patienten bzw. Kunden so wichtig ist?

Otometrics:  Sehen Sie den Überprüfungsprozess ebenfalls als Vorteil für Mediziner bzw. Akustiker?

Dr. Mueller:  Absolut. Zunächst einmal ist es ein gutes Gefühl, das Richtige zu tun. Aber noch wichtiger ist, dass ihre Patienten bzw. Kunden infolge der Überprüfung besser in der Welt da draußen klarkommen und folglich ihren Freunden die Verwendung von Hörgeräten empfehlen werden. Forschungen haben ebenfalls gezeigt, dass der Überprüfungsprozess das Ansehen des Experten in den Augen des Patienten bzw. Kunden steigert, die Zufriedenheit mit dem Anpassungsprozess erhöht und die Kundenbindung verbessert.  

Otometrics:  Und was ist mit den Hörgeräteherstellern?

Dr. Mueller:  Verschiedene Studien haben gezeigt, dass die Fähigkeit der Patienten, Sprache zu verstehen, sich verbessert, wenn die Geräte mit dem Echtohr-verifizierten NAL-Algorithmus statt mit der Standardstrategie des Herstellers angepasst wurden. Dies kann besonders bei Funktionen wie der direktionalen Verarbeitung, Störgeräuschunterdrückung und Frequenzsenkung entscheidend sein. Man sollte annehmen, es läge im Interesse der Hersteller, dass ihre Produkte optimal funktionieren. Also, ja, In-situ-Überprüfung ist auch für die Hersteller ein großes Plus.

Otometrics:  Das können wir nur unterstreichen und wir hoffen, dass Ihr Buch zu einer verstärkten Nutzung dieser wichtigen Komponente der Hörgeräteanpassung beitragen wird. Können Sie uns, bevor wir unser Gespräch beenden, noch erzählen, wie es dazu kam, dass Sie während der Arbeit an Ihrem Buch mit Otometrics zusammenarbeiteten?

Dr. Mueller:  Unsere Präsentation und die Lehreinheiten des gesamten Buchs werden durch eine Vielzahl beispielhafter Fälle veranschaulicht. Zu beinahe jeder Sonden-Mikrofon-Messung, die man sich vorstellen kann zeigen wir Beispiele mit echten Personen sowie Beispiele für mögliche Fehler, die dabei gemacht werden können. Peter Kossek und die Mitarbeiter von Otometrics haben uns freundlicherweise Sonden-Mikrofon-Geräte zur Verfügung gestellt, sodass wir diese Messungen durchführen konnten, und uns außerdem mit einigem Hintergrundmaterial versorgt.

Otometrics:  Vielen Dank, dass Sie heute bei uns waren, Dr. Mueller. Ich bin mir sicher, dass Ihr neues Buch es vielen Mediziner und Akustikern erleichtern wird, den Wert der Durchführung von Sonden-Mikrofon-Messungen zu erkennen.

Hier können Sie das neue Buch bestellen: www.pluralpublishing.com/publication_smpmm

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